Töngesgasse: Die "Kleine Zeil"
Mit über 750 Jahren, ein stolzes Alter, noch immer charmant und attraktiv, führt der Ursprung der Töngesgasse auf das Jahr 1236 und den Orden der Antoniter zurück.Die ursprüngliche Schreibweise der Straße begann mit Anthonier gaszin, veränderte sich umgangssprachlich im Laufe der Zeit in Thonies gasse, dann in Thonnesgass und ab dem 17. Jahrhundert hatte sich Töngesgasse letztendlich fest eingebürgert.
Was die Zeil heute ist, war früher die Anthonier gaszin, die heutige Töngesgasse, noch immer eine Geschäftsstraße, wird daher auch liebevoll "Kleine Zeil" genannt. Denn sie war einstmals die lebendige Haupthandels- und Einkaufsstraße innerhalb der Stadtmauern Frankfurts, während die Zeil den Viehmarkt beherbergte, Der Antoniter-Orden errichtete im Jahre 1236 an dieser Handelsstraße eine kirchliche Niederlassung, die anfangs überwiegend wirtschaftlichen Zwecken diente. In den folgenden Jahrhunderten änderten sich die Glaubensüberzeugungen mancherorts ein ums andere Mal und somit wechselte auch der Besitz der Antoniter-Kirche mehrfach zwischen den Antonitern und Kapuzinern. Letztere sind heute noch im Liebfrauenkloster ansässig.
Einmal jährlich am dritten Wochenende im August feiert die Interessengemeinschaft Töngesgasse zusammen mit den Patres des Liebfrauenklosters im geschichtlichen Andenken das Antoniterfest.
Der Orden der Antoniter, gestiftet von einem französischen Edelmann zum Dank seiner und seines Sohnes Errettung vor einer furchtbaren Seuche, die sie dem Heiligen Antonius zuschrieben, den sie inbrünstig um seine Hilfe gebeten hatten, sollte sich fortan der Kranken und Sterbenden annehmen. Ein ähnliches Engagement verfolgen die Kapuziner mit ihrer Betreuung von Wohnsitzlosen und Armen im Liebfrauenkloster, die von den Geschäften der Töngesgasse unterstützt wird.
Die Töngesgasse hat schon sehr viel erlebt - Ruhmreiches wie Unrühmliches. Nicht nur, dass sich die Kirchenvertreter der verschiedenen Konfessionen die Klinke in die Hand gaben, wütete 1719 ein großes Feuer in ganz Frankiert und machte auch vor der Handelsstraße keinen Halt. Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ katastrophale Spuren, Noch Anfang der 50er Jahre mussten sich die Geschäftsleute mit provisorischen Läden behelfen. Heute ist die "Kleine Zeil" wieder eine ansehnliche und überschaubare Einkaufsmeile, die einiges bietet, was im alltäglichen Leben so benötigt wird. Hier finden sich teilweise alteingesessene Geschäfte aus den Jahren zwischen 1797 und 1898, andere feierten immerhin schon ihr 50-jähriges Jubiläum und führen somit die beständige Bestimmung der Töngesgasse als Geschäftsstraße - klein, aber fein - fort. Frankfurts erste Guldenmillionäre Bethmann, Bolongaro und Leonhardi waren hier schon vertreten, Mozart gab Konzerte und Literat und Schriftsteller Friedrich Stolze sowie Atomphysiker Otto Hahn wohnten in der Töngesgasse.
Unter diesen Namhaften reihte sich Oberbürgermeisterin Petra Roth als Schirmherrin des Antoniterfests gerne ein.
Die heutige Töngesgasse ist eine Einkaufsstrasse mit außergewöhnlichen Geschäften, die es so nicht an jeder Ecke gibt. Ein Besuch lohnt sich immer!
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